Fahrverbote, nichts als Fahrverbote

Anscheinend fällt den Planern der Stadt bei Baustellen für Radverkehr nur noch eins ein: Fahrverbot. Das war so bei der Baustelle beim Neckartor, oder auch momentan in Untertürkheim, wo man fahrend nur mit einem Riesenumweg vom Neckar in den Stadtteil kommt. Sofern man den Weg kennt. Umleitung? Für Radfahrer?

Aber halt, manchmal wird doch eine Umleitung ausgeschildert. Aktuell vor der Oper. Dort ist die Hauptradroute 1 momentan komplett gesperrt. Obwohl doch mehr als genug Platz wäre um einen Weg freizuhalten.

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Komplettsperrung vor der Oper

Folgt man der Umleitung, erlebt man das übliche Grauen. Eine Schranke, an der man sich wohl vorbeimogeln soll. Man stelle sich das bei Dunkelheit vor. Aber immerhin mit asphaltierter Rampe! Sowas ist ja schon der pure Luxus.

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Such den Weg

Weiter geht’s Richtung B14.

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Schnell mal den Gehweg freigeben

Welches Schild fällt Stuttgarter Verkehrsplanern ein, wenn es um Radverkehr geht? Ja, okay, Zeichen 254 „Verbot für Radfahrer“. Aber ich meinte das andere. Genau! Freigabe des Gehwegs mittels Zusatzzeichen. Irgendwie muss man doch Radfahrer und Fußgänger gegeneinander ausspielen können. Zahlen keine Steuern (Anlage R in der Steuererklärung), aber haben ständig Ansprüche.

Und dann?

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Einfahrt Lieferzone Staatsoper und Staatstheater

Eine kleine Schikane geht immer. Also Poller aufstellen, und ab durch die Lieferzone. Die sollen mal Rücksicht nehmen auf die Laster.

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Fast geschafft

Hier noch rechts rum. Oder? Ganz klein hinter Schildern und Bäumen steht noch ein Zeichen 239 mit Zusatzzeichen 10-2210, Gehweg mit Fahrrad frei. Ich sagte ja, die Verkehrsplaner in Stuttgart mögen diese Kombi.

So, wer jetzt nämlich dem Umleitungsschild folgt kommt eventuell nicht dahin, wo er hin will. Die Hauptradroute 1 geht nämlich gerade aus. Deswegen die Freigabe. Nach rechts geht es zwar Richtung Innenstadt auf den ursprünglichen Weg. Aber wer sich nicht auskennt, landet möglicherweise dort wo er nicht hin will.

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Radfahrer halten sich eh nie an Regeln

Nach der Kurve lauert dann das Zeichen 267, Verbot der Einfahrt. Das heißt, eigentlich darf man hier gar nicht weiter fahren. Wohlgemerkt:hier führt nicht nur die Umleitung um die Oper rum, hier führt für die aus südlicher Richtung kommenden Radfahrer auch die Hauptradroute 1 durch.

Mal ein Blick auf die Führung aus südlicher Richtung, vom Charlottenplatz her. Im Akademiegarten ist ein Schild beschriftet mit HRR1. Weiß ja jeder was gemeint ist. Also die paar Wenigen, die sich mit der Stuttgarter Radverkehrspolitik beschäftigen halt. Für meine Leser, die es nicht wissen: Stuttgart plant seit Jahrzehnte ein Netz von Hauptradrouten. Und eine ist sogar „fertig“, mit viel freigegebenen Gehwegen und ähnlichem. Eben die Hauptradroute 1 von Vaihingen bis Bad Cannstatt und weiter nach Fellbach, auch als Tallängsradweg bekannt.

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Da lang, nicht wie bisher vor dem Landtag vorbei

Das Schild auf dem Bild unten ist mir auf dem Weg nur aufgefallen. Was mir als Radfahrer die Kombination sagen will ist mir schleierhaft.

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Absteigen. Egal warum, aber RUNTER VOM RAD! Herrschaftszeiten!

In der Zeit, in der ich das Foto gemacht habe, sind da übrigens zwei PKW und ein LKW auf den Parkplatz gefahren. Morgens, im Berufsverkehr. Dass es da nicht ständig knallt ist ein Wunder.

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Hrrhrrhrr…

Also nach links. Was auf dem Foto nicht zu sehen ist (war zu faul für ein extra Foto), links steht ein Auto, und Schilder. Große Schilder. Und das ist die Ausfahrt vom Parkplatz. Mag sich jeder selbst ausmalen.

Jedenfalls, fährt man nach links steht man wieder vor dem obigen Schild „Verbot der Einfahrt“. Wie man von Radfahrern (Rüpel!) erwartet halt ignorieren. Und dann… Ja dann. Dann muss man wissen dass man nach rechts muss. Meine Güte. Stellen sich diese Radfahrer aber auch an.

Und was danach? Richtig. Ich habe es eingangs ja erwähnt, Umleitungen für Radfahrer. Sieht man doch, die halten sich nie an Schilder. Also kann man sich Umleitungen auch sparen.

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Such dir doch den Weg, du Schilder ignorierender Intensivradler!

Auf dem Bild nicht so ganz zu erkennen. Für mich auch nicht. Nämlich warum da überhaupt gesperrt ist über die komplette Breite.

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11 Kommentare zu „Fahrverbote, nichts als Fahrverbote

  1. Die Anordnungen für Baustellen werden in Stuttgart von der Verkehrsplanung gemacht und nicht von Verwaltungskräften in der Straßenverkehrsbehörde?

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    1. Ich gebe zu, da bin ich einfach ungenau. Mir als Radfahrer ist es persönlich völlig wurscht, wer hier Mist baut. Ob es nun die Verkehrsplaner im Straßenverkehrsamt, oder diejenigen, die das im Ordnungsamt planen, oder im Tiefbauamt. Oder, da der Schloßgarten samt Oper/Theater und Akademiegarten dem Land gehört und nicht der Stadt, irgendein Planer in einer Landesbehörde. Oder wenn die Verantwortung hin und her geschoben wird, wie ich am Fall der Nähterstraße unter https://martintriker.wordpress.com/2018/10/18/immer-wieder-gelb/ dokumentiert habe.

      Der Effekt für mich als Bürger ist der gleiche.

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    2. Ich hab vor einer Weile im Verkehrsportal gelesen, dass sowas in aller Regel die beauftragte Baufirma selbst plant. Die reicht dann den Verkehrszeichenplan bei der Behörde ein – und die macht wohl meistens völlig ungeprüft einen Stempel drauf; also erlässt die entsprechende Anordnung. Ich muss mal recherchieren, ob sich dafür auch Belege finden.

      Man kann den Baufirmen ihre verkehrsplanerische Ahnungslosigkeit ja nicht mal groß vorwerfen; das ist ja nun eigentlich auch nicht deren Aufgabe, wird aber wohl von Seiten der (personell unterbesetzten) Behörden so verlangt / gehandhabt.

      Wie das in einer Bananenrepublik halt so üblich ist.

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      1. Kann durchaus möglich sein, gerade für die ausgeschilderte Umleitung. Bei den Wegweisern aus Richtung Süden sowie den Schilder-Irrsinn am Parkplatz glaube ich es aber nicht so richtig. Die Schilder liegen eher in Verantwortung durch das Land, eventuell mit Unterstützung oder auch nur Absegnung durch die Stadt.

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      2. Es reicht ein Blick in die StVO. In § 45 VI heißt es:

        Vor dem Beginn von Arbeiten, die sich auf den Straßenverkehr auswirken, müssen die Unternehmer – die Bauunternehmer unter Vorlage eines Verkehrszeichenplans – von der zuständigen Behörde Anordnungen nach den Absätzen 1 bis 3 darüber einholen, wie ihre Arbeitsstellen abzusperren und zu kennzeichnen sind, ob und wie der Verkehr, auch bei teilweiser Straßensperrung, zu beschränken, zu leiten und zu regeln ist, ferner ob und wie sie gesperrte Straßen und Umleitungen zu kennzeichnen haben. Sie haben diese Anordnungen zu befolgen und Lichtzeichenanlagen zu bedienen.

        Der zugehörigen VwW ist (u. a.) zu entnehmen:

        II.
        Straßenverkehrs- und Straßenbaubehörde sowie die Polizei sind gehalten, die planmäßige Kennzeichnung der Verkehrsregelung zu überwachen und die angeordneten Maßnahmen auf ihre Zweckmäßigkeit zu prüfen. Zu diesem Zweck erhält die Polizei eine Abschrift des Verkehrszeichenplans von der zuständigen Behörde.

        III.
        Die Straßenbaubehörden prüfen die für Straßenbauarbeiten von Bauunternehmern vorgelegten Verkehrszeichenpläne. Die Prüfung solcher Pläne für andere Arbeiten im Straßenraum obliegt der Straßenverkehrsbehörde, die dabei die Straßenbaubehörde, gegebenenfalls die Polizei zu beteiligen hat.

        IV.
        Der Vorlage eines Verkehrszeichenplans durch den Unternehmer bedarf es nicht
        1. bei Arbeiten von kurzer Dauer und geringem Umfang der Arbeitsstelle, wenn die Arbeiten sich nur unwesentlich auf den Straßenverkehr auswirken,
        2. wenn ein geeigneter Regelplan [Anmerkung: = RSA 95-Regelpläne] besteht oder

        3. wenn die zuständige Behörde selbst einen Plan aufstellt.

        Die Baufirma kann ja auch Dritte mit der Planung beauftragen. Die Qualität ist dann leider meist auch nicht besser.

        Wenn die zuständige Behörde nicht prüft, handelt sie nicht pflichtgemäß. Je nach genauem Sachverhalt entstehen hier u. U. Amtshaftungsansprüche gegenüber der Behörde, wenn z. B. ein Unfall passiert aufgrund einer fehlerhaften Absicherung, der bei korrekter Absicherung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht passiert wäre.

        Entgegen allen Vermutungen von den Bewohner der Bananenrepublik (sind das dann Affen?) gibt es da eine andere Zuständigkeitszuteilen. Wenn selbst Regelpläne korrekt umgesetzt werden, ist das – weil es ja dadurch nicht schneller geht häufig – wohl Ausdruck fehlender Ausbildung und Sensibilität.

        Da es ja in den meisten Städten eine überschaubare Gruppe von Firmen ist, die die deutliche Mehrzahl an Baustellen verkehrsrechtlich plant, dürfte man deutliche Verbesserungen in kurzer Zeit erreichen, wenn man nur bei den offensichtlichen Fehlern die Anordnung verweigert. Das wird den Firmen irgendwann zu teuer, die Pläne immer zurück zu bekommen.

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        1. Diese Bauarbeiten werden ja in aller Regel vom Baulastträger in Auftrag gegeben. Also einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft; meist eben die Straßenbaubehörden von Bund, Land, Kreis, Stadt, Gemeinde… Warum dann der private Bauunternehmer gem. StVO erst selber rumplanen und das ggf. dann mehrfach von der StVB korrigieren lassen muss, erschließt sich mir nicht? Außer, dass er (oder ein Anderer) diese „Planungsleistung“ dem Staat eben noch zusätzlich in Rechnung stellen kann…

          Meiner Ansicht nach hat das von vornherein die Behörde zu machen, weil den ja nicht selten ortsfremden Bauunternehmen das nötige Wissen zu den örtlichen Verhältnissen oder Verkehrsregelungen fehlt. Und das eben eine hoheitliche Aufgabe ist. Der Absatz 6 widerspricht auch ein wenig dem Absatz 2 – da dürfen die Straßenbaubehörden ja selber anordnen, sperren und umleiten.

          https://de.wikipedia.org/wiki/Bananenrepublik

          Es ist nicht auszuschließen, dass dort auch einige Affen leben… 😛

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          1. Das steht nirgends, dass es der Baunternehmer ist, der diese erstellen muss. Er muss die vorlegen, wenn er die Baustelle einrichten will. Ob er die erstellt, sein Auftraggeber oder jemand Drittes ist dafür egal.

            Es macht aber Sinn, dass alle Unterlagen von einer Stelle kommen und als gesamtes geprüft werden können.

            Das Aufstellen der Pläne ist in den meisten Fällen unkompliziert und ohne dezidierte Ortskenntnisse möglich. Es ist kein Hexenwerk.

            Bist du dir sicher, dass es meist der Straßenbaulasträger ist? Wenn man die ganzen Arbeiten an der technischen Infrastruktur im Boden denkt, bin ich mir da nicht so sicher. Warum soll die Kommune kostenlos für einen großen Telekommunikationskonzern arbeiten? Und ich glaube nicht, dass es besser wird, wenn das nun eine Verwaltungskraft macht, die zufällig in der Abteilung gelandet ist.

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          2. Deshalb habe ich ja geschrieben, dass das ggf. ein Dritter ist, der das für das Bauunternehmen macht. Und auch deshalb schrieb ich, dass derartige Bauarbeiten „in der Regel“ vom Baulastträger in Auftrag gegeben werden. Aber ja, es gibt natürlich auch andere Gründe, eine Straße aufzureißen und zu sperren… Es ist zum Glück noch keiner auf die Idee gekommen, dass man die Sache mit der Planung und Anordnung von Verkehrszeichen ja generell auch von privatwirtschaftlichen Akteuren erledigen lassen könnte…

            Mag sein, dass die Pläne „einfach“ aufzustellen sind. Wenn ich als Bauunternehmen aus der Eifel aber keine Ahnung habe, wie die Verkehrsregelungen in der Pfalz drumherum so sind – FuZo, Parkwege, Anliegerstraßen, Einbahnstraßen, (selbständige oder straßenbegleitende) Radwege, Gehwege, Geh- und Radwege etc. – kann vor allem bei den Umleitungen oft nur Mist bei rumkommen… Warum sollte irgendein Bauunternehmer sich „kreative“ Gedanken machen, wie er bspw. den Radverkehr gesondert und sinnvoll an einer Baustelle vorbeiführen könnte…!? Der macht eine für den Kfz-Verkehr – und gut ist. Und die Verwaltung macht den Stempel drauf.

            Sicher, natürlich hocken auch in den Behörden haufenweise Ahnungslose – was ja darauf hindeutet, dass in unserer Bananenrepublik schon grundsätzlich etwas gewaltig falsch läuft…! Ich hab halt auch generell ein Problem damit, wenn private Unternehmen von der neoliberalen Schwindsucht in den Ämtern und dem Outsourcing hoheitlicher Aufgaben profitieren. Und ich als Radfahrer unter dieser Inkompetenz der Privatwirtschaft (die lt. neoliberaler Ideologie wegen betriebswirtschaftlicher Effizienz doch alles besser kann…) Nachteile erleide.

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