Bodensee (Update 21.11.19)

Neulich habe ich es nach Jahren mal wieder geschafft, und konnte am Bodensee zwei Tage Rad fahren. Eigentlich waren drei Tage geplant, aber nachdem alle Wetterberichte für den dritten Tagen nicht nur Regenschauer, sondern Dauerregen vorhersagten wurde es etwas kürzer.

Wie man mit dem Zug an den See kommt könnte eigentlich ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag sein. Vor allem mit Liegerad. Aber dem Tarif-Chaos zum Trotz, ich habe es geschafft, und bin an einem nebligen Tag in Radolfzell aus dem Zug gestiegen.

Disclaimer: das hier ist kein normaler Tour-Bericht. Die gibt es schon zuhauf im Netz oder im Buchladen eures Vertrauens. Hier geht es mehr um die Widrigkeiten, die einem auf dem Weg begegnen, vor allem wegen verkehrsrechtlicher Anordnungen. Und, mal als Vorschau: der Weg wird gerne als rennrad-tauglich bezeichnet. Das ist nicht korrekt. Es ist zwar viel asphaltiert, aber genauso sind manchmal Wege dabei, für die ein MTB notwendig ist.

Radolfzell – Überlingen

Tag1

Der Bahnhof liegt fast direkt am See beziehungsweise der Promenade. Man kann, wenn man am richtigen Gleis ankommt, ebenerdig raus. Und steht auf einem Radweg. Doch, was ist das? Radolfzell wollte wohl unbedingt eine Fahrradstraße. Also steht man auf einer solchen. Obwohl es offensichtlich nur ein Radweg ist. Kann man ja mal machen.

In Radolfzell bin ich ein Stück in Gegenrichtung, habe aber leider nicht das gefunden, was ich bei meinem ersten Besuch ’95 gesehen habe: der Bodenseeradweg wird auf die Treppe einer Unterführung zu geführt.

Was ich auch gestrichen habe war ein Ausflug über die Schweiz. 1999 bin ich von Schaffhausen aus gefahren, und über Stein am Rhein und Gaienhofen nach Radolfzell gefahren. An einem Grenzübergang von der Schweiz nach Deutschland entstand das folgende Bild.

Deutschland

Das ging dieses Jahr leider auch nicht. Aber einen kurzen Abstecher zur Insel Reichenau konnte ich machen.

Reichenau

Das erste Bild ist aus dem Jahr 1995. Damals führte der Bodenseerad direkt ab der B33 entlang. (Und ich noch eine Radius Hornet I.) Nicht zu Unrecht trug der Weg den Beinamen „Ho Chi Minh-Pfad“. Heute führt der Weg entlang der Bahnlinie. Zur Reichenau kommt man dann über den abgebildeten Kreisverkehr, der einem planerischen Hirn entsprungen ist, dass sich nie mit den ERA beschäftigt hat. Ich frage mich was schlimmer ist. Gut ist keines von beiden. Bei dem alten Weg hätten sich die Zuständigen ja noch rausreden könne, dass sie es nicht besser wussten. Obwohl, eigentlich nicht. Aber jetzt? Ein Kreisverkehr mit wartepflichtigem Radweg? Ganz ehrlich. Aus gutem Grund wird in der ERA Kreisverkehre nicht so auszuführen.

Bei der Weiterfahrt dann am Haltepunkt Reichenau (Baden) etwas Verwirrung bei mir und anderen Radfahrern, denn Wegweiser für Radfahrer sind zwar reichlich vorhanden. Aber wo es jetzt nach Konstanz direkt geht ist eher wenig bis gar nicht beschildert.

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Die Reichenau gehört zu Konstanz. Also kein Wunder, dass man in Konstanz auch eine solche Konstruktion trifft. Eine Fahrradstraße, die aufgrund einer der wenigen Querungsmöglichkeiten des Rheins wohl nicht so unbedeutend ist, ist natürlich keine Vorfahrtsstraße. Sondern Radfahrer sind wartepflichtig. Ist aber nicht so, dass die Gartenstraße, die hier die Schottenstraße kreuzt, so übermäßig bedeutsam wäre.

Weiß eigentlich jemand was diese blauen Linien am Fahrbahnrand sollen? Die Eberhardstraße in Stuttgart wurde bei der Neugestaltung auch mit diesen blauen Linien versehen. Ich dachte bei der Bodensee-Tour das wäre so ein Konstanz-Ding. Wohl nicht, aber mir erschließt sich echt nicht der Sinn dahinter.

In Konstanz gibt es auch noch immer diese Wegweiser mit den farbigen Punkten. Wer es nicht kennt: Wichtige Ziele wie z.B. Mainau sind an größeren Knotenpunkten nicht nur mit eben jenen farbigen Punkten ausgeschildert, sondern auch textuell. Wer jetzt nicht gerade an einem dieser größeren Knotenpunkten steht und (noch) nicht weiß welche Farbe der Punkt haben muss: Pech gehabt. Wer einen älteren Wegweiser sieht, bei dem die Farbe schon mehr oder weniger ausgeblichen ist: Pech gehabt. Wem beim Fahren schon die leider üblichen kleinen Wegweiser mit kleiner grüner auf weißer Schrift zuwenig sind, weil man sie nur schlecht lesen kann bei mehr als 15 km/h, wenn man auf den übrigens Verkehr noch achten muss: Pech gehabt. Wer das System überhaupt nicht kennt: Pech gehabt!

Das System wurde in den 90ern mal in einer damaligen Mitgliederzeitschrift des ADFC lobend erwähnt. Ich hatte damals schon leichte Bedenken, und diese wurden nun im Laufe der Zeit noch übertroffen. So verfranzt habe ich mich noch nie am See. Aber immerhin das erste Mal an der Party-Uni vorbei gefahren.

Irgendwann bin ich dann an der Mainau vorbei, und nach Wallhausen mein Angstgegner seit meinem ersten Bodensee-Urlaub mit dem Rad: der Bodanrück. Denn der Bodensee-Radweg ist nicht immer flach. Und wenn man nichts mehr zu Trinken hat, sind die Steigungen zwischen Wallhausen und Liggeringen ein Problem.

Diesmal war ich aber überrascht, meine aber davon irgendwann die letzten Jahre gelesen zu haben: der Bodenseeradweg geht nach einer kurzen Steigung nach Wallhausen rechts ab in den Wald. Allerdings steht dort, dass ein Stück wegen des Erdrutsches in der Marienschlucht 2015 derzeit gesperrt ist, aber eine Umleitung ausgeschildert ist. Das ist aber ein Hinweis für den Wanderweg. Hm. Ich bin dem Weg gefolgt, um nach wenigen Metern das erste der obigen Schilder, Zeichen 250 „Verbot für Fahrzeuge aller Art“, zu sehen. Ich bin zwar kein forstwirtschaftlicher Verkehr, aber man weiß ja was gemeint ist! Nach kurzer Strecke: das zweite Schild. Diesmal ohne Ausnahme. Aber oben hat man mir ja eine Umleitung versprochen. Hier weiß die eine Hand wohl nicht was die andere tut. Der Weg ist eher für MTB, aber mit einem Trike wird es schon gehen. Weiter geht’s. Bis zu einer Weggabelung. Dort war kein Schild mehr, kein Wanderweg ausgezeichnet, nichts. Eventuell war hier mal ein Schild für Wanderer, aber das könnte bei einer Baumfällaktion verschwunden sein. Ich bin dann lieber umgedreht und zurück auf den Weg, denn ich kenne: über den Radweg entlang der Straße über Dettingen nach Langerain und Liggeringen. Und dort dann ohne Radweg, aber mit den erlaubten max. 60 km/h runter Richtung Bodman.

Kurzer erster Besuch in Bodman. Gefällt. Und dann ab nach Ludwigshafen. Dort durch den Ort gequält, und am Ortsende Richtung in Richtung Sipplingen den Wegweisern vertraut. Böser Fehler. War wohl wieder für Wanderer. Wieso ist das Symbol für den Wanderweg eigentlich ähnlich dem für den Bodenseeradweg? Was hat sich da jemand gedacht?

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Kein Stopp in Sipplingen, aber wieder mal über den teuersten Radweg Deutschlands. Der wurde in den Felsen gesprengt, weil man die B31 unbedingt an der Stelle für Radfahrer sperren wollte. Aber Leute gibt’s. Südkurier: Radfahrer ärgern sich über Auto auf Radweg

In Sipplingen wird man doch auf die B31 geleitet. Da geht auf einmal T30.

Nach Sipplingen geht’s ab nach Überlingen. Auch in Überlingen, zwischen Goldbach und dem eigentlichen Überlingen darf und soll man auf der Fahrbahn fahren.

In Überlingen dann die Übernachtung. Ohne vorher zu reservieren. Das zweite Hotel hat auch schon ein Zimmer frei und eine Abstellmöglichkeit in der Garage für mein Trike. Nach insgesamt 92 km.

Überlingen – Friedrichshafen – Meersburg

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Am zweiten Tag ging es dann von Überlingen über Meersburg nach Friedrichshafen. Und aufgrund der Wettervorhersage für den eigentlich geplanten dritten Tag (Regen Regen Regen) von Friedrichshafen zurück nach Meersburg und mit der Fähre rüber nach Konstanz.

Noch in Überlingen, genauer gesagt in Überlingen-Nußdorf, sah ich dieses Schild.

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Ist ja auch logisch, auf einer Straße ohne Gehweg, die für alle freigegeben ist, also auch Autofahrer, da muss man vor Radfahrern warnen. Alles Rad-Rambos.

Nächster Halt war dann in Meersburg. Da ist das Beitragsbild oben im Banner entstanden. Ich mag es, im Nebel zu fahren.

Danach die erste Durchfahrt durch Immenstaad auf dem Weg nach Friedrichshafen. In Friedrichshafen dann nach meinem Besuch in Bodman die nächste Premiere. Ich habe es endlich mal ins Zeppelinmuseum geschafft. Wer sich für Zeppeline interessiert sollte es besuchen. Sonst nicht.

Die Wettervorhersage für den nächsten Tag war unverändert schlecht, also griff ich zu Plan B. Rückfahrt nach Meersburg, dann mit der Fähre nach Konstanz und von dort zurück mit dem Zug. Weiter nach Lindau und von dort mit dem Zug heim war keine Option, weil auf der Strecke Schienenersatzverkehr wegen einer Baustelle war. Die DB spuckte als Alternative dazu, wegen Fahrradmitnahme, einen Umweg über die Schweiz aus, über St.Gallen. Über die Fähre war zwar nichts raus zu bekommen über das mobile Internet auf dem Smartphone, aber da ich vorhin in Meersburg Fährverkehr gesehen habe nahm ich das Risiko in Kauf.

Auf dem Rückweg kam ich wieder durch Fischbach, einen Ortsteil von Friedrichshafen.

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Wieso ist an der Baustelle nur nachts 30 vorgeschrieben? Aber Rad fahren zu jeder Zeit verboten? Radfahrer sollen einen Umweg fahren, rechts weiter. Ich bin da an einem Sonntag gefahren, und hatte schlicht keinen Bock mehr auf diese grauenhafte Verkehrsführung. Sowas Radfahrern an einem der beliebtesten Fernradwege Deutschlands vorzusetzen ist schon ein deutliches „Scheiß-Radfahrer“ der zuständigen Behörden.

Dann wieder Immenstaad. Es ist mir auf dem Hinweg nicht so deutlich gewesen, aber wenn man in westliche Richtung fährt erwartet einen da ein Radweg in Lenkerbreite, der auch bei jedem Baum oder Blumenbeet von der Fahrbahn kurz weg verschwenkt wird. Meine Güte.

Hagnau dann jetzt Nachmittags, zur besten Kaffeezeit. Der Bodenseeradweg führt hier an der Uferpromenade entlang. Guter Asphalt. Aber keine Trennung zwischen Radfahrern und Fußgängern. Und der Weg ist voll. Voll mit Fußgängern und Radfahrern. Genießen kann man den Abschnitt nicht, die Augen sollten da nicht das Panorama geniessen, sondern man braucht die volle Konzentration. Auch in Schrittgeschwindigkeit. Mehr geht da nicht.

Die Fähre in Meersburg war dann unspektakulär aus verkehrlicher Sicht. Wer’s nicht kennt: einfach drauf und das Rad abstellen. Bezahlt wird auf dem Schiff.

Update 21.11.2019: Ein Bild habe ich noch. Von 1995.

AnkeCrossing

3 Kommentare zu „Bodensee (Update 21.11.19)

  1. Ein Reisebericht ganz nach meinem Geschmack. 😉 Der „teuerste Radweg Deutschlands“ an der B 31 sieht mir so aus, als wäre er allerhöchstens 2 m schmal und würde ein Gefälle aufweisen? Natürlich in beiden Richtungen benutzungspflichtig?

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    1. Ohne jetzt nachgemessen zu haben, er ist schon breiter. Sonst wäre auch der mit dem Auto nicht so weit gekommen 😁 Nicht benutzungspflichtig dem Buchstaben des Gesetzes nach, aber ich glaub die B31 daneben ist Kfz-Straße. Bin mir aber nicht ganz sicher.

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  2. Blaue Linien sind nach dem Wiener Übereinkommen zur Regelung des Parkens da. Davon macht der Bundesgesetzgeber in Dt. kein Gebrauch. Das war aber der Hintergrund, warum der RS 1 im Ruhrgebiet eine neue Farbe bekommen hat.

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