Schilderirrsinn: Rad fahren im Urlaub

Aufgrund der aktuellen Pandemielage (die von manchen immer noch klein geredet wird) haben wir unseren geplanten Rhodos-Urlaub verschoben auf nächstes Jahr. Nach einiger Suche haben wir eine Alternative gefunden. Saarland. Genauer gesagt, den Bostalsee. Das ist ein Stausee inmitten des Nirgendwo, mit einem Center Parcs Park.

Dort liehen wir uns Räder, etwas über der leider üblichen Leihrad-Qualität. Aber nur ein wenig drüber. Und sind dann auch mal um den See rum.

Damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Rubrik Schilderirrsinn!

Was ich schon auf der Fahrt zum Bostalsee in der Gegend sah, unter anderem einen Wildwuchs an Mordstreifen, pardon Schmutzstreifen, das war schon grenzwertig. Der Radweg um den See herum war dann quasi verdichtet, was einem als Radfahrer dort zugemutet wird.

Ich möchte etwas vorausschicken: der Center Parcs Park Bostalsee ist, soweit ich das erkennen konnte, nicht verantwortlich für den Zustand des Radwegs. Mit dem Park waren wir durchaus zufrieden, wenn man von kleinen Mängeln wie dem Zustand der Leihräder absieht. Wer einen Bericht über den Park will, den gibt es bei Zwillingswelten.

Jetzt aber rauf auf’s Rad. Fährt man aus dem Park raus, und den Weg im Uhrzeigersinn, sieht man gleich sowas.

Ein Z240 Gemeinsamer Geh-/Radweg, der anfangs getrennt ist. Natürlich mit Pollern auf der Fahrradseite. Wer nun denkt, wieso ich mich da wundere, danach ist der Weg doch nur noch durch unterschiedliche Asphaltierung getrennt (durch die Nässe nicht gut erkennbar), der täuscht sich. Kurz darauf wird der Weg getrennt, und kurz danach wieder zusammen. Ein Grund ist nicht zu erkennen.

Dann kommt die Staudammkrone.

Kleines Schild vor der Staukrone

Schrittgeschwindigkeit. Das hat wohl den Grund, dass es ein gemeinsamer Geh-/Radweg ist. Wirklich?

Staudammkrone

Äh. Also anderthalb Wege für Fußgänger, und ein Weg, der für eine Richtung ausreichende Breite hat. Aber wie der gesamte Rundweg ein Zweirichtungsradweg ist. Kann man machen, ist dann aber Scheiße.

Aber jetzt geht’s erst richtig los.

Getrennt?

Als ich die Runde das erste Mal gefahren bin dachte ich nur, die haben das falsche Schild genommen, Z241 statt Z240. Na, erkennt ihr es schon? Den Zwei-Richtungsradweg? Gut, das wird noch.

Schotter für Radfahrer

Radfahrer nach links, rechts nur Fußgänger. Wassergebundene Decke und unnötige Höhenmeter. Kann man machen, wenn man lieber Wanderer will und weniger Radfahrer.

Wow. Hier darf man sogar mal auf Asphalt, statt im Bankett. Aber nur ein paar Meter.

Und wieder weg. Jetzt wird es erst interessant.

Radfahrer bitte nach links, hoch. Fußgänger dürfen weiter rechts am See lang. Wer denkt der Fußweg wird enger, der täuscht sich. Aber mal den Weg für Radfahrer und Wanderer hoch.

Ein Radweg. Mit schönen Pollern. Oder doch ein Wirtschaftsweg? Weiß man nicht so genau. Die zuständige Behörde sicher nicht.

War irgendwie klar. Wassergebundene Decke. Wenn es nur dann Radfahrer gibt, wenn es ein paar Tage trocken ist. Die dann eingestaubt werden.

Oh, ein Schild! Was mag es bedeuten?

Genau, nichts. Denn ein Radwegschild mit solchem Pfeil existiert nicht in der Liste der StVO. Vor Pollern wird hier aber gern gewarnt

Noch mehr Pfeile, die irrelevant sind. Durften hier ein paar Azubis ran? Und keiner hat kontrolliert was die anstellen?

So sieht das aus, wenn man von der anderen Seite kommt. Ihr erinnert euch. Geradeaus soll wohl nur für Fußgänger sein. Ist es aber nicht.

Schöne Piktogramme. Bitte nicht beachten, denn es geht nach links durch eine nicht einsehbare Kurve. Waren das wirklich Azubis? Oder hasst hier jemand Radfahrer total?

Ich sag nix mehr.

Wieso dieses Bild? Weil das der Radweg ist. Im Gegensatz zum asphaltierten Fußweg ziemlich weit links nicht nur schlechte Oberfläche, sondern auch über die Zufahrt zum Parkplatz eines Festplatzes. Wieso auch nicht. Ohne Vorwarnung.

Poller. Und Bankett.

Ein Bild von der anderen Seite. Es handelt sich nämlich um einen verkehrsberuhigten Bereich, mit Trennung von Radverkehr und Fußgängern. Die Trennung ist aber nur von der anderen Seite. Wär ja zu einfach.

Immer wieder. Asphalt nur für Fußgänger.

Wieso dürfen da zwischendurch mal Radfahrer auf Asphalt? Weil es die Zufahrt zum Jachthafen ist, der rechts ist. Immerhin soweit hat jemand gedacht.

Nebenbei, was passiert eigentlich einem Autofahrer, der hier parkt? Das Schild ist so ja auch nicht im Verkehrszeichenkatalog.

Die ganze Sache sagt nur eins: Radfahrer unerwünscht.

Muss ich erwähnen, das auf der anderen Seite das Schild „Gemeinsamer Geh-/Radweg“ hängt?

Center Parcs bemüht sich wenigstens. Bei den verschiedenen Möglichkeiten für Aktivitäten sind solche Abstellanlagen.

Mit einer Ausnahme. An der wichtigsten Stelle vom Park, dem Market Dome. Restaurants, Schwimmbad, Supermarkt, Rezeption, usw. Da sind solche Felgenkiller.

Zum Schluss, noch ein Bild von diesem grandiosen Weg.

7 Kommentare zu „Schilderirrsinn: Rad fahren im Urlaub

  1. Bei dem Halverbotszeichen handelt es um eine alte Variante.
    s. https://de.wikipedia.org/wiki/Bildtafel_der_Verkehrszeichen_in_der_Bundesrepublik_Deutschland_von_1971_bis_1992

    Dazu, ob die noch gültig ist oder nicht, gibt es unterschiedliche Auffassungen.

    Es ist aber eh überflüssig, da hier das Parkverbot an engen Straßenstellen gilt. Es muss also eh weg.

    Die Kombination von amtl. VZ mit anderen Schildern halte ich für zumindest problematisch (z. B. erstes Bild).

    Danke für diesen Bericht. Über das Ergebnis ist man sicherlich stolz im zuständigen Rathaus. Immerhin hat man ja nicht nur einfach in Richtlinien und Gesetze geschaut, sondern im Angesicht des eigenen Schweißes, neue Ideen entwickelt. VZ 237 und VZ 241 als Wegweiser ist sicherlich so rechtswidrig, dass einer erfolgreichen Teilnahme beim Deutschen Fahrradpreis nichts im Wege steht.

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        1. Nach dem, was ich so weiß, reicht das mit dem Strich. Der Bestandschutz galt aber auch nur für bestehende Schilder, nicht neu aufgestellte, oder?
          Keine Ahnung ob es die Straße schon vor dem See gab.
          Aber war mir klar, dass das Halteverbotsschild dir auffällt 😁 Das Foto hab ich extra wegen dir gemacht.

          Liken

          1. Naja, du hast mich schon auch drauf gestoßen:

            Das Schild ist so ja auch nicht im Verkehrszeichenkatalog.

            Gemäß § 53 Abs. 2 sind Verkehrszeichen in der Gestaltung nach der bis zum 1. Juli 1992 geltenden Fassung weiterhin gültig. Den Wortlaut nach und i. V. mit § 39 Abs. 9 sind m. E. nur VZ erfasst, die es dem Wesen nach noch gibt. Es steht meine ich nirgends explizit, aber m. E. nach sind die Schilder trotzdem bei jeder Verkehrsschau daraufhin zu prüfen, ob sie den aktuellen Anforderungen entsprechen. Daher fallen ja auch immer wieder Radwegbenutzungspflichten.

            Als Behörde würde ich alle Schilder in der bis 1992 gültigen Fassung aus Gründen der Rechtssicherheit austauschen. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von pi mal Daumen 10 Jahren, dürfte es keine Schilder mehr geben, die unter diese Regelung fallen, denn um 2005 herum hätten die letzten ersetzt gewesen sein müssen. Aber bei Schildern des ruhenden Verkehrs stellen die Gerichte in der Regel geringere Anforderungen an die Reflexionsfähigkeit. So auch die VwV-StVO zu den §§ 39 bis 43 Allgemeines über Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen Rn. 21. Aber bei jeder Abweichung von der aktuellen amtlichen Vorlage bleibt ein Restrisiko für die Behörden, dass Gerichte das Schild – salopp gesagt – nicht gelten lassen.

            Bei streckenbezogenen Geschwindigkeitsbeschränkungen (VZ 274) sind die Unterschiede grundlegender Art – das „km“ steht nicht mehr auf dem Schild, sodass ich behördlicherseits von der Ungültigkeit ausgehen würde, bürgerlicherseits würde ich mich aber dran halten. Laut MüKo gibt es dazu unterschiedliche Urteile, ob das Schild noch gilt oder nicht.

            Wenn also 1979 das Zeichen aufgestellt wurde, war es also weitesgehend korrekt. Nach der amtlichen Begründung zu den § 53 Abs 2. dient diese Übergangsregelung dazu, die Schilder im Rahmen der laufenden Instandhaltung auszutauschen.

            Bei der Verkehrsschau müsste man mal nachmessen, wie breit die Fahrbahn ist. Hier greift vermutlich § 12 Abs. 1 Nr. 1. Daher wäre das 283 hier überflüssig, es sei denn es wird da wird wirklich viel gehalten. Aber das findet man nur heraus, wenn man das VZ mal verhüllt bzw. abnimmt.

            So, jetzt bist du dran damit, mir vorzuwerfen, dir in den Rücken zu fallen, weil ich deine Aussagen vertiefe und so. 😉

            Gefällt 1 Person

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