Keine Verkehrswende mit dem ADFC

In Stuttgart gibt es ein Straßenbaukonstrukt, dass komplett aus der Zeit gefallen ist. Das ist die Auffahrt auf die B10/B27 Richtung Autobahn an der Friedrichswahl, an der Grenze zwischen Zuffenhausen und Feuerbach.

Wenn ich es noch richtig weiß wurde diese Form der Auffahrtrampe gewählt, weil eine Straße Richtung Neckartal geplant wurde. Die zum Glück nie gebaut wurde. Seither steht hier eben ein überdimensioniertes Bauwerk, dass jeder Autofahrer kennt der Stuttgart Richtung Norden verlassen will. Dieses Bauwerk ist aber nun in die Jahre gekommen, und soll weg.

Für den Umbau gibt es seit einigen Jahren drei verschiedene Vorschläge, alle mit Stärken und Schwächen, gerade für den Fußgänger- und Radverkehr. Aber alle ebenerdig. Und hier kommt der ADFC ins Spiel. Die Stuttgarter Abteilung ist voll geblendet von dänischen und niederländischen Lösungen, und Stuttgart wäre nicht Stuttgart, wenn nicht viel Beton im Spiel wäre. Denn der ADFC Stuttgart hätte gerne… einen Hovenring. Beziehungsweise etwas ähnliches, das ist der Stellungnahme zu entnehmen. Und eine Stellungnahme hat nicht gereicht, da muss noch mehr her.

Über den Hovenring habe ich mich mal kurz bei Rant: Radwege sind Scheiße (Update 03.08.2020) ausgelassen. Kurz gesagt ist das ein Kreisverkehr für Radfahrer und Fußgänger, der über einer Kreuzung zweier vermutlich stark befahrener Straßen hängt, eine davon ein Autobahnzubringer.. Architektonisch zweifelsohne ein Highlight, sieht spektakulär aus auf Bildern. Aber ist es auch das richtige für den nicht-motorisierten Verkehr? Dem werden mehrere Höhenmeter zugemutet. Die Rampen dort sind nicht sehr steil, irgendwo habe ich von 2,8% gelesen. Aber lang. Da werden auch 2,8% für die viel bemühten ungeübten Radfahrer zu einem Problem, für mobilitätseingeschränkte Personen wie Rollstuhlfahrer sowieso. Aber was soll’s, der Platz für solche Rampen wie in Eindhoven ist eh nicht da. Da werden die Rampen halt kürzer, aber steiler. Ist man dann erst oben, hat man durch den Kreisverkehr mehr Distanz zurück zu legen. Dafür hat man sicher eine grandiose Aussicht. Auf Straßen in einem Gewerbegebiet.

Okay, mehr Höhenmeter, größere Distanzen, fehlt noch was? Ja. Dem automobilen Verkehr wird dadurch alles aus dem weg geräumt, was stören könnte. Die Ampelschaltungen werden viel einfacher, denn es muss ja neben dem Autoverkehr nur noch die Stadtbahn berücksichtigt werden. Aber die kann man ja sicher auch in einen Tunnel verlegen. (Nein, das mit dem Tunnel steht nicht beim ADFC. Aber ist die logische Konsequenz.)

Kurz zusammengefasst, oder neudeutsch tl;dr: Nicht die drei Pläne sind zu autoorientiert, wie der ADFC Stuttgart bemängelt. Sondern die Pläne des ADFC Stuttgart. Das ist weder für Radfahrer, noch für Fußgänger, noch für die Verkehrswende überhaupt. Das ist nur für den Autoverkehr. Und wird auch mehr Autoverkehr anziehen.

Eins noch: irgendwelche Anschuldigungen, ich würde hier Fake News verbreiten dieses Mal bitte in den Kommentaren. Beim Kontaktformular schau ich nicht täglich rein.

Ein Kommentar zu „Keine Verkehrswende mit dem ADFC

  1. Wenn man die Geschichte des Hovenring vollständig erzählen würde, muss man bei einer überlasteten Kreuzung mit sehr, sehr viel Kfz-Verkehr beginnen. Anstatt den Zufluss an Kfz-Verkehr zu reduzieren … Die NL verpacken die Autoförderung halt besser.

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