Was einmal klappt, klappt auch mehrmals (Nachtrag)

Sofern man sagen kann, das es klappt. Aber das ist eine Sache des Blickwinkels, für die Stadt Stuttgart klappt es hervorragend, Radfahrer zu behindern. Irgendwann müssen diese Lästlinge doch mal still sein.

Verkehrsbehinderungen gab es. Aber nicht für Autofahrer, sondern natürlich für Radfahrer.

Und damit willkommen zur dritten Runde von „Wer hat meine Radverbindung gesperrt?“. Ein Service, durchgeführt vom Veranstaltungsmanagment Stuttgart im Auftrag der Stadtverwaltung Stuttgart.

Wer die ersten beiden Teile verpasst hat, hier die ersten beiden Teile: Sperrung wegen Schalldruck? und Oops I did it again… Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ich fahre dort auch nicht immer lang.

Jedenfalls gab es am 1.7. und 2.7. wieder ein Open Air-Konzert auf dem Cannstatter Wasen, diesmal die Fantastischen 4. Meine Musik ist das nicht, aber darum geht es nicht. Sondern darum, was der Stadt einfällt, eine der wichtigsten Routen für den Radverkehr, zwischen Untertürkheim/Esslingen und Bad Cannstatt einfach mal wieder zu sperren. Diesmal war wenigstens ein Teil als Umleitung ausgeschildert, aber natürlich nicht alles. Diese Radfahrer kommen ja von überall her.

Denn es soll vorkommen, dass auch Radfahrer auf der westlichen Seite fahren. Aus Wangen, Hedelfingen, etc. Die fahren dann auf der Inselstraße über die Brücke über die B10 und den Neckar. Auf der Seite gibt es auch einen Weg, aber wie in den vorigen Beiträgen kurz erwähnt, den muss man nicht fahren, und viele wollen ihn nicht fahren, weil er eben an der B10 und damit dem Kfz-Verkehr entlang läuft. Ohne stinkigen Autoverkehr gleich nebenan, im Schatten. Also rüber über die Brücke.

Hinweis: alle Bilder wurden am Freitag am frühen Nachmittag gemacht, zwischen 13:30 und 14:45.

Blick aus Richtung Wangen.

Gibt auch kein Umleitungsschild.Auf der anderen Seite, auf Höhe des Hallenbades Untertürkheim, ein einsames Schild „Umleitung beendet“. Welche Umleitung? Aber beendet.

Das Hallenbad ist links.

Links sieht man den Neckartalweg.

Neckartalweg

Also doch gesperrt. Wer das bisherige Drama nicht mitbekommen hat steht belämmert da. Aber wie sieht es dann aus Richtung Untertürkheim aus?

Wenigstens da konnte eine Umleitung ausgeschildert werden. Das macht die grundlose Sperrung nicht besser, aber immerhin. Wieso grundlos? Zur Erinnerung: die Vorjahre ging es ohne Sperrung des Geh-/Radweges am Neckar. Angeblich ist das als Entfluchtung gedacht. Aber der Weg gehört nicht mehr zum Cannstatter Wasen. Wer da drauf ist, ist also quasi schon geflohen. Zusätzlich wurden die Wege und Treppen vom Wasen auf diesen Weg mit Absperrgittern und Absperrband verstellt. Prima Fluchtmöglichkeit, ganz toll.

Wie sah es in der Gegenrichtung aus? Nicht viel besser. Wenn man aus Richtung Schlossgarten kam, war ein einzelnes Umleitungsschild zu sehen. Wieso und warum war am Freitag nicht ersichtlich. Am Samstag hing dann ein Zettel in einer Plastikhülle drunter.

Am Leuze, Abzweigung Neckarweg entlang B14

Aber wieso soll man einer Umleitung folgen, wenn man nicht weiß wieso. Am Ende der König-Karl-Brücke dann folgendes Bild. Der Gehweg ist komplett versperrt. Und jeder, auch Familien mit kleinen Kindern, muss über den stark befahrenen Radweg ausweichen. Gut gemacht, Stuttgart!

Gesperrter Gehweg

Was sind das da eigentlich für Umleitungsschilder? Was soll das darstellen?

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Umleitungsschilder from Hell

Also zum Neckartalweg und nach Hofen geht’s rechts runter. Nach Untertürkheim und auch zum Neckartalweg geht’s… ja wohin? Wo ist dieser U-Turn? Was soll das bedeuten? Und was ist mit den Wegweisern, die da hängen? Die gelten ja wohl weiterhin, sonst wären sie überklebt. Mag man denken, weil beim Kfz-Verkehr wird das doch auch eindeutig gemacht.

Aber mal weiter fahren.

Mercedesstraße

Jo, klar. Statt einfach mal einen Fahrstreifen sperren, wird der eh nur schmale Gehweg mit Freigabe für Radfahrer gesperrt. Nein, entgegen dem völlig überflüssigen Zusatzzeichen unter dem Vz 254 ist das kein Geh- und Radweg. Alle dürfen einige Meter Umweg in Kauf nehmen, Hauptsache der heilige Kfz-Verkehr wird nicht gestört.

So. Wie sieht’s denn nun aus, wenn man aus Richtung Rosensteinbrücke kommt? Bis zur Hall of Fame, der Unterführung unter der König-Karl-Brücke alles wie immer. Keine Schilder, keine Vorwarnung. Dann immerhin, noch unter der Brücke, ein Zeichen. Nein, keine Sandale und keine Flasche.

Ach-tung!

Aha. Ein Hinweis für Ortskundige. Alle anderen schauen auf die Karte, ob analog oder digital. Denn kurz vor dem Neckartalweg, die letzte Warnung und, oh Wunder, ein Umleitungsschild.

Wo bitte geht’s Richtung Esslingen?

Die festen Wegweiser natürlich auch hier nicht überklebt. Oben an der Rampe zur König-Karl-Brücke noch ein Umleitungsschild.

König-Karl-Brücke

Also geht’s doch, eine Umleitung auszuschildern, der man folgen kann? Sowas. Ihr erinnert euch an das Schild mit dem U-Turn. Ja, das steht genau da oben auf der Brücke. Es war also gemeint dass man auf der Brücke, auf dem Radstreifen umdreht.

Und weiter vorne, beim Leuze, wo das einzelne Umleitungsschild war, da steht noch was.

An der Stelle waren wir doch schon

Ach was. Da steht auf einmal wo es hingeht.

Wie gesagt, das war jetzt schon das dritte Mal binnen weniger Wochen, dass ich den Weg gesperrt erlebt habe. Die ersten beiden Male ohne Umleitung. Ich habe mir erlaubt, eine Gelbe Karte zu schreiben, und cc an die Gemeinderatsfraktionen Die FrAKTION (Puls und die Grünen, sowie an den Bezirksbeirat Wangen. Von den anderen Fraktionen im Gemeinderat erwarte ich eh nichts. Bei den Bezirksbeiräten von Untertürkheim und Bad Cannstatt ist keine Mailadresse auf den Seiten der Stadt Stuttgart zu finden.

Am schnellsten hat der Pressereferent der FrAKTION reagiert. Er hat meine Beschwerde an die Bezirksbeirätin dieser Fraktion in Bad Cannstatt weitergeleitet, sowie an die Fahrradbeauftragte der Stadt, Éva Ádám. Diese hat wohl auch sofort reagiert. Offensichtlich war sie auch nicht informiert, und hält die Beschwerde für berechtigt. Als weiteres hat er die Mail auch an die Leiterin der Straßenverkehrsbehörde, Frau Susanne Scherz, weitergeleitet. Aus der Ecke erwarte ich gelinde gesagt gar nichts. Das sind so meine Erfahrungwerte.

Die Bezirksbeirätin Dr. Helga Seyschab, die er informierte, hat als Nächste geantwortet. Auch sie bzw. der Bezirksbeirat war nicht informiert, worüber sie sich verwundert zeigte, und nach den Hintergründen fragen will. Gut, die Bezirksbeiräte in Stuttgart haben keine wirkliche Macht, sie können quasi nur Vorschläge bringen, mehr nicht.

Eine Gemeinderätin der Grünen antwortete am nächsten Tag. Man könnte die Antwort fast für Textbausteine halten, aber immerhin, sie hat dazu Gespräche begonnen. Was immer das heißen mag.

Nur wenige Stunden später eine Antwort auf die Gelbe Karte von der Stadt, genauer gesagt vom Veranstaltungsmanagment, das wohl beim Amt für öffentliche Ordnung angesiedelt ist. Also genau dem Amt, dass für so innovative und folgenreiche Kampagnen wie #StuttgartParktFair und #RadNimmtRücksicht bekannt ist. Erstmal gab es eine Entschuldigung. Wohlgemerkt, die Mail kam nach dem Kesselfestival, vor dem Konzert der Fantastischen Vier. Was das für eine Entschuldigung war kann man sich dann denken.

Die Radumleitung (nach dem Kessel Festival) war angeordnet und(!) abgenommen. Und das Veranstaltungsmanagment arbeitet bereits mit dem Team Rad der Stadt Stuttgart und dem ADFC zusammen für Lösungen für kommende Veranstaltungen zu finden. Wundert sich jemand, warum ich den ADFC nicht auf den Verteiler genommen habe? Ich hatte so eine Ahnung, dass es nichts bringt. Und ein Team Rad von Stuttgart habe ich nach einer Google-Suche auch gefunden. Aber ob wirklich ein Frauenradsportverein gemeint war?

Aber: es gab wohl mehrere Beschwerden.

Danach kam dieses Konzert mit dieser Umleitung. Jo, die Beschwerden haben wohl gewirkt. Nicht. War übrigens nicht die einzige Sperrung an dem Wochenende. Auf Twitter wurde von einer Sperrung der Hauptradroute 1 in der Tübinger Straße am Marienplatz berichtet. Auch ohne Umleitung. Grund: das Marienplatzfest.

Stuttgart will Radfahrer wirklich loswerden, anders kann man es nicht nennen.

Nachtrag

Bei den Sitzungen der Bezirksbeiräte gibt es anfangs immer Zeit für Bürgeranfragen. Dort darf sich jeder Bürger mit seinen Fragen und Problemen melden. Der Bezirksbeirat Bad Cannstatt hat die nächste Sitzung am 6.7., 18:00 Uhr im Verwaltungsgebäude am Marktplatz. Am 13.7. tagt der Bezirksbeirat Obertürkheim, 19:00 Uhr im Bezirksrathaus. Der Bezirksbeirat Wangen ist am 18.7. dran, um 18:30 Uhr in der Wangener Kelter, und der Bezirksbeirat Untertürkheim am 26.07. um 18:30 Uhr in der Sängerhalle.

Wer sich für andere Bezirksbeiratsitzungen interessiert, man findet sie und andere Termine unter https://www.domino1.stuttgart.de/web/ksd/KSDRedSystem.nsf/9d0f69c7b2c2450ac12565bc00366ccf?OpenView&Grid=4&Date=2022-07-05

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