Wochenrückblick KW 32/2022

Es war nur ein Spruch und schwupps oblag mir die Urlaubsvertretung beim Wochenrückblick. Während Martin den großzügigen Vater im Urlaub gibt (hoffe ich zumindest für seine Kinder 😉 und vielleicht das eine oder andere Eis ausgibt (meine Entdeckung des Jahres bisher: Advocado-Cashew) geht anderswo die Schule bereits los. Wie jedes Jahr gibt es aus diesem Anlass öffentlichkeitswirksame Aktionen und Aufrufe. So wirft die Polizei in Dortmund ein Auge auf die Gefahren die von den Eltern ausgehen. Das Dortmunder Ordnungsamt wird auch ein bisschen aktiv sein. Da wir diese Aktionen aus den letzten Jahren aus allen Ecken der Republik kennen, finden die keine Aufnahme in die Übersicht. Schauen wir somit lieber auf die kleinen und großen Neuigkeiten mit Verkehrsbezug.

Vertretungszeit heißt auch, dass diesmal Stuttgart nicht im Fokus steht. Mit der selbstgewählten Zielsetzung, dass Kopenhagen Westfalens sein zu wollen, hat Dortmund die Messlatte zumindest unter Zugrundelegung deutscher Verklärung der Kopenhagener Verkehrspolitik ziemlich hoch gehängt, sodass ein besonders kritischer Blick erwartet werden kann. Dortmund schmiedet seit Jahren an einem Masterplan. Seitdem ist nichts passiert, außer dass man ein XXL-Parkleitsystem, in dem die Fahrradstation fehlt, errichtet hat. Also schauen wir drauf, was andere Städte vermelden können. Als Beispiel heute Wiesbaden.

PM: 35 neue Carsharing-Stationen – erste Station wurde am Dienstag eröffnet

Nach eigenen Angaben nutzt Wiesbaden als erste Stadt in Hessen die neuen rechtlichen Möglichkeiten zur Ausweisung von Carsharing-Stellplätzen im öffentlichen Straßenraum, die seit Überführung des Bundescarsharinggesetzes in Landesrecht möglich sind. 35 neue Stationen mit jeweils bis zu zwei Fahrzeugen erweitern bis Herbst das Angebot auf 89 Carsharing-Stationen mit mehr als 150 Fahrzeugen. Dortmund ist etwa doppelt so groß, müsste also etwa 170-180 Stationen mit etwa 300 Fahrzeuge haben.

Antenne Mainz: Wie und wo kann man Wiesbaden am besten radfahren

Seit Jahren in Dortmund nicht mehr verfügbar. Schon letztes Jahr schwieg die Stadtverwaltung lieber zu dem Thema lieber.

PM: Verwaltung empfiehlt Unterstützung der Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“

Gefühlt als letzte Stadt in Deutschland überlegt Dortmund bei der Städteinitiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten – eine kommunale Initiative für städteverträglicheren Verkehr“ auch mitzumachen.

Nordstadtblogger: Zukunftsprojekt Nordspange: Planerisch geht das 200-Millionen-Euro-Projekt auf die Zielgerade.

In Dortmund baut man weiterhin an den Bedürfnissen des Autoverkehrs orientierte Straßen. So wird demnächst eine neue Umgehungsstraße gebaut.

Verlassen wir Dortmund, bleiben aber bei der Verkehrsinduzierung durch vorgebliche Zukunftsprojekte:

9 Euro-Ticket

Zeit Online: Deutsche nutzen trotz 9 Euro-Ticket oft das Auto

Das Verkehrsaufkommen ist also wie erwartet durch das 9-Euro-Ticket gestiegen. Das wird aber nicht allein darauf zurück zuführen sein, dass arme Menschen die Gelegenheit genutzt haben, Mobilitätsbedürfnisse zu befriedigen, die z. B. mit dem vorgesehenen Mobilitätsbudget bei Hartz IV nicht realisiert werden können. Insofern ist es geboten, sozialpolitische Ziele nicht mit klimapolitischen zu vermengen. Das Reallabor verdeutlicht, dass kostenloser oder billiger ÖPNV unerwünschte klimapolitische Effekte hat und die soziale Exklusion zielgerichteter angegangen werden müsste als durch die Subventionsgießkanne, also der Mittelschicht den Wochenendausflug zu subventionieren.

Merkurist: Wie geht es mit dem 9-Euro-Ticket weiter? Das sagt ein Verkehrsexperte

Eine der Szene-Profs ist jeden Tag im Öffentlichen Verkehr unterwegs und hat statt trögen Statistiken seine Eindrücke.

Spiegel Online: Erneut weniger Staus – vermutlich wegen des 9 Euro-Tickets

So richtig klar ist also immer noch nicht, ob das 9 Euro-Ticket einen Nutzen hat. Mitten im Artikel ist übrings eine Civey-Umfrage eingebunden. Anfang des Jahres wurde gerichtlich festgestellt, dass das Unternehmen ein bisschen dick aufträgt und die Methodik nicht unproblematisch ist.

Neben den 9 Euro-Ticket bestimmt hinsichtlich des Bahnsystems ein weiteres Thema die Schlagzeilen. Die ständige Minderleistung der Bahn. Man stelle sich vor, in der Dosenravioli findet man in jeder zweiten Dose nur Tomatensoße. Aber nur, wenn mehr als die Hälfte der Dose ungefüllt ist, gibt es Geld zurück. Selbst wenn stattdessen Erbsensuppe in der Dose ist oder es eine kleinere Dose ist, sind das keine Erstattungsgründe. Wie versucht die Deutsche Bahn ihr Problem in den Griff zu bekommen?

SWR: Ausfall des RE8: Bürgermeister in Region Koblenz schreiben Wutbrief

Die Realität, für die das 9 Euro-Ticket werben soll kann sehr hart sein. In Rheinhessen fallen die Züge „nur“ für ein Wochenende aus, weil es an Personal für’s Stellwerk fehlt.

Zeit Online: Bahn verlängert Umsteigezeiten im Fernverkehr

Einfach Verspätungen mit einplanen und die Verspätung wird geringer. #Kapitulationserklärung

Natürlich darf hier der Radverkehr nicht fehlen. Zwei Meldungen gab es ja schon oben.

Antenne Mainz: Neues Leihlastenrad für Mombach

Das mit den freien Lasträdern hat sich inzwischen mehr verbreitet, als ich das erwartet hätte.

taz: Rote Radler machen Druck

Historisch interessant, die Nickeligkeiten zwischen den Verbänden sind nicht meine Welt. Das der ADFC kein Klassenkampf betreibe, kann man schon bezweifeln, fabuliert er doch von klar abgegrenzten Teilen der Bevölkerung. An die Stelle des unzivilisierten Arbeiters könnte im bürgerlichen Klassenkampf der unzivilisierte Rad-Vielfahrer getreten sein, der sich furchtlos und das System in Frage stellend unnötigen Gefahren aussetzt und in paternalistischer Tradition vor sich selbst geschützt werden muss. Müsste man mal durchdenken.

BYC-News: CDU Mainz: Stadt macht selbst bei Prestigethema Radwegekonzept keine Fortschritte

Dass man Ortsname und die Parteinamen von kritisierender Opposition und Regierung austauschen kann und dann nur noch lokale Projekte einpflegen muss, sollte vielleicht mal so langsam daran zweifeln lassen, dass Kommunen wirklich so viel Spielraum haben und dass die Grünen wirklich mehr leisten wollen und können als die anderen Parteien.

PM: Schnellere Umsetzung von Fuss- und Veloverkehrsmassnahmen dank Rahmenausgabenbewilligung

In Basel hingegen will die Verwaltung ins Machen kommen, um Masterpläne abzuarbeiten. In Deutschland wäre die Politik nun in der Bredouille, dass man zwar einen Plan will, der eine bessere Zukunft verspricht. mit Hingabe aber jede Maßnahme notdiskutieren will, die wirklich was verändert. Ein bisschen spät ist Basel aber mit der Einrichtung erster Lastenradstellplätze dran.

RP Online: Bürger sollen künftig mit dem Fahrrad ins Parkhaus fahren

Welche Überraschung: Die Radfahrer*innen brauchen Abstellmöglichkeiten die vor Vandalismus und Wetter schützen. Die sollen jetzt sogar in Parkhäusern parken in Ratingen, aber nur da wo Fahrzeuge nicht parken können. Fahrräder sind keine Fahrzeuge und es reichen Restflächen. Je kleiner die Schritte, desto häufiger kann man sich für einen feiern als Politik.

Frag den Staat: Beparken des Radwegs Lerchenstr. bei Veranstaltungen

Ein Bürger will wissen, warum in Essen eine Radhauptroute bei Großveranstaltungen zum Parkplatz wird und somit für die Anreise in der Grünen Hauptstadt nicht zur Verfügung steht. Anfrage läuft noch.

Mein Senf: Mindener Straße mit Fahrradstreifen

In Herford hat man das gemacht, was man ohne Vollumbau mit einer vierspurigen Straße am sinnvollsten machen kann.

Ein großes Thema ist aktuell auch der Klimawandel und auf einmal stellen wir fest, dass wir vielleicht viel zu verschwenderisch mit der Energie sind und finden Einsparpotenzial.

SWR: Rheinfähre in Niederheimbach stellt Betrieb ein

Exemplarisch eine Meldung dieser Art: Den Fähren geht das Wasser aus unterm Kiel.

Landtag Rheinland-Pfalz: Auswirkungen des neuesten Berichts vom Weltklimarat auf den rheinland-pfälzischen Klimaschutz

Tut mir leid, ich mag die Verkürzung und Zuspitzung in den s. g. Sozialen Medien nicht so sehr. Daher auch eine Original-Quelle aus der Politik und Bild und Spruch. Der Ausschuss für Klima, Energie und Mobilität hat darüber diskutiert, dass RLP zwischen 3 und 4° höhere Temperaturen bevorstehen. Ein Abgeordneter schlägt vor, durch die Positionierung von Windparks kühle Luft in die Hot-Spot-Regionen umzulenken.

Und was macht die Polizei außer mit rechten Chats dauerhaft in den Medien präsent zu sein?

Law Blog: Autoschild soll Staatskasse sanieren

Bescheidtechnik für Anfänger: Die Verhältnismäßigkeitsprüfung.

Law Blog: BAB 11: Brandenburg überwachte illegal alle Autofahrer

Man muss sich ja nicht gleicht Art. 20 Absatz 2 GG tätowieren lassen, aber wer irgendwo im öffentlich Dienst nur entfernt irgendwie in das Leben von Bürger:innen eingreift, sollte das mit dem Vorbehalt des Gesetzes jederzeit präsent haben.

Beck Blog: „POZILEI“

Es gibt halt Schlimmeres als Polizeiausbilder mit rechter Vergangenheit.

Law Blog: Augenzeuge Tesla

Wir hatten es ja schon mal mit der Überwachungsfunktion von Tesla.

Passend zur Polizei noch ein Blick auf’s Unfallgeschehen:

Also alles halb so wild und es fehlen Lastenradparkplätze.

Zum Abschluss noch ein Blick auf’s Unfallgeschehen:

PM: Senden-Ottmarsbocholt Fahrradfahrer bei Verkehrsunfall tödlich verletzt

Abgedrängt wird nicht in Betracht gezogen, obwohl man nichts weiß über den Unfallhergang.

PM: Bürgerbus, Auto und Radfahrerin mit Steinen beworfen

Radfahren ist gefährlich. Man könnte natürlich auch steine werfende und autofahrende Mitbürger für das eigentlich gefährlich betrachten.

Spiegel: Verkehrsteilnehmer fahren an hilfsbedürftigem Lkw-Fahrer vorbei

Kein Kommentar nötig. Was macht eigentlich das selbstbezügliche Solidaritätsklatschen am Abend in Zeiten angeblich gestiegener Solidarität?

… und dann noch:

ZDF: Dein Ziel ist mein Weg. Menschen, die uns bewegen (37°)

Eine Doku über die Menschen, die uns von A nach B bringen.

LTO: Cars­ha­ring wir­k­lich nur Gemein­ge­brauch?

Es bleibt spannend, ob Carsharing eine Sondernutzung ist oder nicht. Das ist auch interessant angesichts der Debatten um die E-Scooter.

Twitter: o. T.

Um dem Bildungsauftrag der Medien nach zu kommen: Den Modal-Split der Arbeitswege der Kopenhagens anstelle den des tatsächlichen Verkehrsaufkommens sowie eine Verkehrsflächenzuordnung in der Fußgängerzonen und gemeinsame Flächen nicht vorkommen zu nehmen, kann man machen und man kann das auch vergleichen. Nur sagt das nichts aus, was irgendeine Bedeutung hat.

ADAC: Umfrage zum Parken: Was sich Auto- und Radfahrer wünschen

Also alles halb so wild und es fehlen Lastenradparkplätze. Machen wir mal weiter mit dem Bildungsauftrag: Ohne das Studiendesign und die genauen Fragen zu kennen, kann man die Studienergebnisse nicht wirklich einordnen. Es macht halt einen Unterschied, wie genau gefragt wird.

Da habe ich wohl mal wieder zu viel gelesen diese Woche. 😉 In der nächsten Woche ist übrings Verkehrsgerichtstag in Goslar.

5 Kommentare zu „Wochenrückblick KW 32/2022

  1. Die Kinder bekommen genug Eis, keine Bange. Deswegen buchen wir ja All Inklusive 😉 Söhnchen müssen wir aber bremsen, neulich gab es bei ihm Mittags nur ein halber Teller Nudeln, aber fünfmal Eis hinterher.

    Die Urlaubsvertretung läuft gut, sehe ich. Kann ja länger bleiben.

    Zu dem Link auf Twitter, also dem mit der „Flächengerechtigkeit“: die Reply fasst es gut zusammen. https://twitter.com/Goldkrone3/status/1555143656650194945?t=hMKCrks_94cZLS_4AgEV6g&s=19

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    1. Wenn dann noch Fahrbahn geschrieben würde, wo welche gemeint ist. Wobei der Ansatz grundsätzlich schon Fragen aufwirft: Wie teilt man eine Fahrbahn mit Straßenbahngleisen, einen gemeinsamen Geh- und Radweg auf usw. usf.

      Nach dem Ansatz wäre dem Radverkehr gedient, wenn man einen großen Parkplatz als Fläche für den Radverkehr ausweist, auch wenn die draußen im Industriegebiet keiner zum Radfahren nutzt.

      Gefällt 1 Person

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